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Wasserfarben – Malen :

Diese tagebuchähnlichen Aufzeichnungen habe ich während meiner Zeit der Chemotherapie und zweiten Krebsoperation gemacht. Es dokumentiert, wie mir die Arbeit mit den Farben geholfen hat.
Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei Nina Mahler, die mich hier mit diesen Arbeiten durch diese Zeit begleitet und geführt hat.


03.03.2003

Das Wetter am Nachmittag war grau, sehr kalt und trüb und wir sind in der gemütlichen Umgebung der als Atelier umfunktionierten Küche von Frau Mahler. Nach einem interessanten Schwätzchen bei einer Tasse Grünem Tee gehen wir an die Arbeit.

Aufgabe ist, mit Blau beginnend nach innen zu arbeiten Preußisch-Blau, Ultramarin, Zitronen-Gelb und Sonnen-Gelb. Des weiteren sollen die Farben sich begegnen, d.h. dort, wo sie aufeinander treffen, mit gleicher Intensität leuchten.

Durch das Arbeiten von außen nach innen und vom Dunkel ins Hell gehend, entsteht eine große Vorfreude möglichst schnell zu den lichten Farben zu greifen und es wirkt wie eine Befreiung und auch Erleichterung endlich im hellen Kern angekommen zu sein.

Das Malen erschien mir trotzdem sehr anstrengend und ich war doch ganz schön geschafft.

Wunderlich erschien mir, dass beim Gelb-Malen das Gelb rundherum explosionsartig ins Blau sich ausgebreitet hat. Hier hat die Begrenzung nicht gehalten.

17.03.2003

Dieser Nachmittag war ein schöner sonniger Vorfrühlingsnachmittag und meine letzte Chemo ist auch schon eine Woche her und ich kann wieder aufstehen.

Diesmal ist die Aufgabe 6 Farben zu verwenden: Purpur-Rot und Zinnober-Rot, Zitronen-Gelb und Sonnen-Gelb und Ultramarin-Blau und Preußisch – Blau, wobei mit Purpur- Rot anzufangen ist und die Farbe Rot dominiert. Blau soll das Bild abschließen. Die Farben mögen sich wieder begegnen.

Der Anfang Purpur-Rot auf nassem Papier aufzubringen, fiel mir sehr schwer, da mich dieses Verlaufen der Farbe an Bluten erinnert. In dieser Zeit ist es für mich sehr schwierig der roten Farbe egal ob jetzt als roter Saft oder in anderer Form zu begegnen, da sie in mir immer die Erlebnisse der Chemotherapie in Erinnerung ruft. Dort lief, nach dem die Infusionen bei anderen Patientinnen eingeträufelt waren, das Blut wieder zurück in die durchsichtigen Infusionsschläuche, weil sie nicht zügig genug abgeklemmt wurden.

Dieser Anblick und das Mitleiden mit den Frauen verursachte in mir zusätzlich eine große Übelkeit. Ich hing ja selbst am Infusionstropf und die Chemikalien liefen in mich und verursachten schon beim Einlaufen Übelkeit und Würgreiz.

Es kostete mich ungeheuere Überwindung die Farbe aufs Papier zu bringen zu verteilen und den Vorgang zu beobachten. Die zweite rote Farbe Zinnober wirkte wie eine kleine Befreiung und ein Aufatmen von der drückenden Stimmung.

Die zwei unterschiedlichen Gelb brachte wieder Licht und Freude, die mit dem abschließenden Blau wieder eingefangen und zur Ruhe gebracht wurden. Wieder lief die gelbe Farbe explosionsartig ins Blau rein, diesmal aber nur an zwei kleinen Stellen und nicht ringsherum, mir sehr zur Freude.

24.03.2003

Der Tag war ein wunderschöner sonniger und warmer Frühlingsnachmittag, der zum Spazieren gehen  geradezu einlud. Und in einem kleinen Seitentälchen von Hirschroda blühten, soweit der Blick reicht, Märzenbecher. Und genau dieses Naturerlebnis haben wir uns vor dem Malen in Ruhe auf uns wirken lassen: lichter Laubwald vom Sonnenschein durchflutet, schwerer süßer Duft der Märzenbecherin der Luft und das unentwegte Summen der Bienen und Zwitschern der Vögel im Frühling. Diesen intensiven Eindruck nahmen wir mit auf den Weg in unseren Garten, wo wir dieses Mal malten, noch voll unter dem Eindruck des Frühlings, der auch gerade im Garten erwacht.

Die Aufgabe ist mit einem hellen Zinnober-Rot in der Mitte einen Kreis zu malen und mit Gold-Gelb hell von außen nach innen dunkler werdend zu arbeiten. Das dunkle Gelb soll sich in der Mitte mit dem Zinnober-Rot treffen und in ein Orange sich wandeln, dass dann kräftig von der Mitte aus leuchtet.

Durch den freudigen Tag fiel es mir nicht so sehr schwer die hellrote Farbe in die Mitte zu setzen, schwieriger war es schon von außen nach innen zu arbeiten, weil das so eingrenzend wirkt. Ich hätte viel lieber von innen nach außen das dunkler werdende Gelb geführt. Aber die entstandene leuchtende orange Farbe im Zentrum hatte dann doch etwas Beruhigendes und Strahlendes an sich. Ich hab mich gut gefühlt.

31.03.2003

Inzwischen ist das Montags-Malen schon fast zu einem Ritual mit Beständigkeit geworden, wenn das nach so kurzer Zeit bereits gesagt werden darf. Diesmal war Franzi wieder dabei. Bevor wir uns aber dem Malen zuwandten, bauten wir aus Holz ein Gestell, um die Tomaten zu überdachen, die im Mai ausgepflanzt werden sollen.

Die Sonne schien wieder frühlingshaft warm und nach getaner Arbeit tranken wir noch Tee zur Nachmittagszeit im Garten.

Abermals besteht die Aufgabe darin, ein Bild mit den Rot – und Gelbtönen orange strahlen zu lassen. Angefangen wird mit kleinen Flächen Karmin-Rot und danach Zinnober-Rot. Das Zitronen-Gelb und Gold –gelb soll nun an die roten Flächen grenzen und sich so vermischen dass der Gesamteindruck ein bewegtes Orange wird.

Diese Aufgabe war für mich anfangs schwierig umzusetzen, weil ich mich nicht entscheiden kann und ich noch keine Vorstellung aus der Aufgabenstellung heraus habe, wie das Bild werden könnte. So hab ich erst einfach zugeschaut, wie der karminrote Fleck sich auf dem nassen Papiergrund ausbreitete und zu einem großen Klecks wurde. Und dadurch motiviert entstanden weitere dunkelrote Flächen. Als ich dann die helleren zinnoberrote Farbe aufs Papier brachte, war es wie eine kleine Vorfreude auf die weiteren hellen Farben. Denn eigentlich mag ich nicht die unterschiedlichen roten Farben nebeneinander. Das Gelb zuzufügen und dann im Verlauf das Orange entstehen zu sehen und dadurch das bedrängende Rot zu be- und verarbeiten, hat mich zu einer freudigen Stimmung geführt. So ist der Tag als ein strahlender, heller und lichter Tag in meiner Erinnerung.

15.04.2003


Kar-Woche und diesmal Dienstag Nachmittag. Wieder ist es ein strahlender sonniger Tag mit Temperaturen bis 25°C. Ich habe das erste Mal nach der OP versucht Auto zu fahren, um auszuprobieren, ob es schon wieder klappt. Der Weg ist nicht mit allzu komplizierten Fahranforderungen zu bewältigen.

Wir trinken zuerst wieder im Garten Tee und unterhalten uns.

Diese Aufgabe soll ein Bild in unterschiedlichen Grüntönen entstehen lassen. Dazu wird zuerst mit Preußisch – Blau schüsselförmig am unteren Rand des Blattes begonnen. Von oben her wird Goldgelb in unterschiedlichen Schattierungen (von hell nach dunkel) nach unten gearbeitet. Gelb soll Blau begegnen und sich zu grün mischen. Der Gesamteindruck des Bildes soll grün sein.

Schon das Aufziehen des Blattes auf die Unterlage gestaltet sich schwierig, d.h. es bilden sich ständig Luftblasen und Falten. Das Auftragen des Blau gelingt beschwingt durch die schüsselähnliche Form. Allerdings mischt sich das Gelb schon auf dem Mischteller zu grün, dass sollte zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht sein.

Es gelang mir aber doch noch reines Gelb aufs Blatt zu bringen und von oben nach unten in unterschiedlicher Helligkeit . Als sich dann endlich Gelb und Blau begegnen, entsteht an den Farbrändern ein sehr intensives Grün. Es ist sehr faszinierend zuzuschauen, wie sich die Farben mischen und es beschwingt mich weitere grüne Flächen zu schaffen. Das Mischen des Grüns unterstützt so sehr den Eindruck des Tages, dass er mir schon fast wie ein reifer Sommertag in der Erinnerung erscheint, durchdrungen vom satten Grün der Bäume, obwohl erst die ersten Büsche ihr zartes Grün sprießen lassen.

23.04.2003

Nach den Osterfeiertagen haben wir uns diesmal mittwochs zum Malen zusammen gesetzt, nachdem ich eine Freundin zum Zug nach Göschwitz begleitet habe. Dort stellte ich das Auto auf dem Parkplatz der DB und als ich vom Zug zurück kam, schlichen 2 Beamte des Bundesgrenzschutzes ums Auto. Auf meine vorsichtige Frage, ob ich etwas falsch gemacht habe, erklärten sie mir, dass ich auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz stehe und sie mir grade eine „Parkgebühr“ von 15€ zukommen lassen wollten, wenn ich nicht gekommen wäre. So würden sie es diesmal noch bei einer Verwarnung belassen.

Glück gehabt.

Der Nachmittag ist wieder ein warmer sonniger Nachmittag und wir trinken Tee im Garten.

Es ist so schön, die Wärme der Sonne aufzunehmen, das geschäftige Treiben der Vögel zu beobachten und dem Gezwitscher zuzuhören.

Die Aufgabe besteht darin mit den Farben Rot (Karmin- und Zinnober-Rot)und Blau (Preußisch –und Ultramarin-Blau) zu arbeiten. Dabei soll ein kräftiges Rot (überwiegend Karminrot) vom Blattrand außen zur Mitte aufgetragen werden. Die Mitte bleibt frei für Blau. Rot und Blau sollen sich an den Begegnungsrändern mischen.

Beim Auswählen der Aufgabe schien es mir, dass dieser kräftige Rotanteil es mir schwer machen würde, damit zu arbeiten. Aber schon nach den ersten Pinselstrichen mit unterschiedlichen Schattierungen des Karmin-Rotes fiel es mir zusehends leichter, die Farbe auf das Blatt zu tragen. Auch die Begegnung des Karmin- mit dem Zinnober-Rot bereitete mir Freude sowie auch Vorfreude auf das Malen mit Blau. Das Blau dämpfte doch ein wenig., so dass es dann richtig interessant wurde, zuzuschauen, wie Rot und Blau sich mischten. Dabei entstanden neben violetten auch braune Farbtöne. Zinnober-Rot gemischt mit Preußisch-Blau ergab Braun und Karmin-Rot gemischt mit Ultramarin-Blau mischte violette Farbnuancen.

Insgesamt habe ich mich nach der Arbeit sehr erleichtert und beschwingt gefühlt.

Einen Tag bevor ich wieder ins Krankenhaus gehe, haben wir uns noch einmal zum Malen verabredet. Diesmal ist Franzi wieder mit dabei.

Es ist ein angenehmer Nachmittag, die Sonne scheint zwar nur mäßig und eine leichte Brise weht. Der Nachmittag lädt wieder geradezu zum Tee-Trinken im Garten ein.

Da beim Trocknen die Farbe verlaufen ist und die Bilder doch nicht so geworden sind, wie wir uns es vorgestellt hatten, beschlossen wir, noch einmal die gleiche Aufgabenstellung wie am vergangenen Mittwoch in Angriff zu nehmen. Rot außen und mittig blau. Das Arbeiten erfolgt von außen nach innen. An den Begegnungsstellen sollen kleine Mischflächen entstehen.

Es ist wirklich eine schwierige Aufgabenstellung. Da Rot eine sehr aggressive und auch bewegende Farbe ist und Blau sehr zurücknehmend, gestaltet es sich doch kompliziert, die beiden Farbtöne miteinander kommunizieren zu lassen. Trotzdem hat es mir wieder Spaß gemacht, damit zu experimentieren.

18.06.2003

Inzwischen habe ich meine große Operation (am 30.04.2003) hinter mich gebracht und bin faktisch noch auf dem Wege der Genesung obwohl die OP ja bereits eine Weile her ist. Leider ist ein Stückchen Naht am Körper noch nicht ganz geschlossen und ich kann deshalb noch nicht zur Anschluss - REHA fahren. Sehr kraftraubend sind auch die Schmerzen im ISG-Bereich, die wieder ins Bein ziehen und dass ich dadurch in gewisser Weise zur Unbeweglichkeit (Sitzen und Bücken und Gehen sind schwierig)gezwungen bin. Der verzögerte Heilungsprozess und die Probleme im Beckenbereich sind Gründe dafür, dass ich konditionell noch nicht so weit bin, wie ich gerne sein würde.

Trotzdem haben wir (Frau Mahler und ich) uns verabredet, eine kleine Ausstellung, die derzeit im Klinikum in Lobeda-Ost stattfindet, anzuschauen. Ausgestellt hat die Kunsttherapeutin M.Tiske, die mit onkologischen Patienten Bilder in den unterschiedlichsten Techniken malte, um das Thema Krebs aufzuarbeiten.

Für mich war das Betrachten der Bilder der Ausstellung unvermutet anstrengend (habe nach der Ausstellung 2Std. geschlafen), da die Bilder doch eine enorme Kraft in ihren Aussagen ausstrahlten. Die Angst, der Wille weiterzuarbeiten und auch Hoffnungen, die in den Werken ihren Ausdruck fanden, waren für mich fast körperlich spürbar, geprägt durch eigene diesbezügliche Erlebnisse, nachzuvollziehen.

24.09.2003

Heute habe ich meine ersten Erfahrungen mit Aquarell-Farben gemacht.

Die Aufgabe bestand darin, den Sommer in dendem Sommer entsprechenden Farben (blau, grün) einzufangen.

Es ist ein sehr zartes Malen, da die Farben sehr kräftig werden, wenn zu starker Druck ausgeübt wird.

Des Weiteren  vereinbaren wir, dass ich beginne den Farbkreis mit Naturfarben zu malen.

Dazu sind aber einige Vorbereitungen notwendig. Als erstes benötige ich einen Holzrahmen oder eine Holzplatte ca. 40x40. Die hab ich dann in einem Baumarkt gefunden. Dann war die Platte mit Stoff straff zu bespannen. Ich hab mich für Hanfstoff entschieden, der dann noch grundiert werden musste, um mit den Farben darauf arbeiten zu können.

4.10.2003

Nun ist es soweit und ich beginne mit dem Farbenkreis.



Als erstes soll gelb und blau angelegt werden. Dazu sind die Farben mit einem Harz zu binden, d.h. in einem ganz kleinen Mörser zu zerreiben, das Harz im Verhältnis 1:1 dazutropfen und mit Wasser dann soweit zu verdünnen, dass sie sich gut auftragen lassen. Schon dieses Anrühren und den dabei stattfindenden Bindeprozessen zuzuschauen, macht unheimlich viel Freude. Nun sind die ersten Pinselstriche absteigend, also von oben nach unten zu führen, dabei ist die Farbe ganz dünn und vorsichtig kreisförmig aufzutragen, wobei zu beachten ist, dass die Farben zur Bildmitte immer verdünnter werden, so dass eine helle Fläche in der Mitte übrig bleibt. Im unteren Kreis begegnen sich gelb und blau mit dem Effekt, dass es grün schimmert. Die Farben werden so insgesamt so dünn aufgetragen, dass ich mir kaum vorstellen kann, wie viele Schichten benötigt werden, um dann die Farben kräftig zu sehen.

Allerdings war ich danach ganz schön „geschafft“.

Es hatte sich noch eine Schwierigkeit ergeben, da ich bei der Auswahl des Holzes nicht darauf achtete, ein unimprägniertes Brett zu wählen, trocknet die Farbe sehr schlecht, weil die Flüssigkeit nicht vom Untergrund aufgesogen werden kann.

Ich will nun versuchen, nicht ganz so feucht zu arbeiten.

28.10.2003

Es geht weiter mit dem Farbenkreis. Diesmal wird zusätzlich im oberen Bereich des Bildes Rot angelegt. Rot verlangt, dass die Pinselführung von unten nach oben geht, weil es eine aufstrebende Farbe ist.

18.11.2003

Weil die Arbeit auf dem nicht saugenden Untergrund des Holzes so schwierig ist, hat Frau Mahler entschieden, dass ich mit Papier anfangen soll, um die Techniken zu lernen und auch ein schnelleres Erfolgserlebnis zu haben. Ich habe so die ersten Grundbegriffe des Schichtens erhalten. Ist ganz schön kompliziert und vieles zu beachten. So z.B. dass der Pinselstrich nicht noch mal über die selbe Stelle zu führen ist, um ein sich schichtenden Untergrund zu erhalten. Ebenso kann aber eine Linie, die zu stark geworden ist, wieder aufgelöst werden. Nur sollte kein „Hausfrauenputzeffekt“ entstehen. Jedenfalls hab ich mich, ich glaube, teilweise ganz schön ungeschickt angestellt, und so viele Hinweise erhalten, so dass wir beschlossen haben, alles noch bei Frau Mahler weiter fortzusetzen. Der Drang, alles schön gleichmäßig anzustreichen, steckt doch zu tief.